Wie tick, tick… BOOM! entstanden ist…

Jonathan Larson begann die Arbeit an tick, tick… BOOM! Anfang der 90er. Während andere versuchten die großen Klassiker wie Sondheim nachzuahmen, hatte er ein erklärtes Ziel:  Den Broadway für die „MTV-Generation“ mit Rock- und Popmusik wieder interessant zu machen. Sein erster großer Versuch ein Sci-Fi Musical namens Superbia, welches lose auf George Orwell’s 1984 basiert,  brachte zwar etwas Aufmerksamkeit,  wurde aber – trotz aller Hoffnungen – nie richtig produziert. Es war zu groß, hatte zu viele Darsteller und die behandelte Thematik war negativ.

 

Doch Jon wollte nicht aufgeben. Spartanisch lebte er in seiner winzigen WG im 5. Stock ohne Aufzug, Heizung und mit der Badewanne in der Küche. Er arbeitete gerade genug als Kellner in einem Diner um sich über Wasser zu halten, ansonsten schrieb er Musik und Text. Drei Monate vor seinem 30. Geburtstag begann er die Arbeit an einem neuen Stück namens 30/90, in dem er seine eigene Enttäuschung und Erfahrungen mit Superbia verarbeitete. Larson hatte Angst, dass sein Geburtstag für Ihn ein Zeichen sein sollte, seinen Lebensstil als erfolgloser aber glücklicher Künstler aufzugeben und stattdessen lukrativere Arbeit zu finden.

 

 

Aus 30/90 wurde im September 1990 Boho Days, was eigentlich für ‚below Houston Street‘ das Pendant von SoHo ’south of Houston‘ stand, aber oft einfach als Abkürzung für Lebenstil eines Bohemian interpretiert wurde.  

Die damalige Ouvertüre Boho Days legt klar die Motivation für das Stück fest:

The time is flying
And everything is dying
I thought by now
I’d have a dog, a kid, and wife
The ship is sort of sinking
So let’s start Drinking
Before we start thinking
Is this a life?

 

Am 25. November 1991 präsentierte Jon nach vielen Überarbeitungen schließlich „tick, tick…BOOM! – a rock monologue“ als Ein-Mann-Stück im New Yorker Nachtclub The Village Gate vor Publikum. Er singt und spielt Klavier, außerdem sind auf der Bühne nur noch ein Schlagzeug, Gitarre, Bass und ein Background-Sänger.

Jon bei der Präsentation von tick, tick... BOOM!
Jon bei der Präsentation von tick, tick… BOOM! (Quelle: Jonathan sings Larson – ps classic)

Doch obwohl tick, tick… BOOM! gut ankam und noch zweimal 1992 und 1993 im New York Theatre Workshop aufgeführt wurde, war klar, dass niemand eine Produktion wagen will. Dieses Ein-Mann-Musical war so der Zeit voraus, dass keiner sich traute zu investieren.

Von tick, tick… BOOM! zu RENT

Und so kam Jon auf ein Projekt zurück, dass er 1989 begonnen hatte: Eine moderne Adaption der Puccini-Oper La Bohème namens RENT.

Logo von RENT
Logo von RENT

 

RENT war die erste Produktion von Jonathan Larson, die eine vollständige Produktion bekam.

Dies bekam Jon allerdings nicht mehr mit: In der Nacht vor der ersten Aufführung am 25. Januar 1996 starb er an einem Aneurysma in Folge des Marfan-Syndrom.

Posthumen wurde Larson für RENT mit dem Pulitzer-Preis und drei Tony Awards in den drei Prestige-Kategorien Best Musical, Best Book und Best Score.

RENT wurde ein riesiger Erfolg und spielte in 12 Jahren am Broadway über 5000 mal.

Um tick, tick…BOOM! war es lang aufgrund des Todes von Jon still, bis 2001 Pulitzer-Preisträger David Auburn sich dem Stück annahm und den Monolog in ein Drei-Personen-Stück umschrieb. Am 13 Juni 2001 war dann die Premiere am Off-Broadway.